DER ULK VON 1952 BIS 1972

Dieser Teil der Chronik wurde 2002 zum 100-jährigen ULK-Jubiläum veröffentlicht. 

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Präsidentenwechsel “Wöhles” (links) – Heinz Stärk (rechts am Mikrofon)

In den frühen fünfziger Jahren begann der vom Wöhles neu formierte Elferrat das gewichtige Erbe fortzusetzen. Es war Josef Fikentschers letzter großer Dienst an ,,seinem” ULK. Er übergab in einem feierlichen Akt im Jahre 1953 das Präsidentenamt an den Jülicher Kaufmann Heinz Stärk, Vater des späteren Elferrats-Mitglieds und Kassenwartes Hans-Karl Stärk, dessen Sohn Stefan die Tradition der „Stärks” bis heute fortsetzt.

Ein trauriges Ereignis unterbrach jäh die junge Präsidentschaft von Heinz Stärk, seine Frau verstarb 1954. Erst 1958 hat er das Amt wieder offiziell aufgenommen.

Zweite Person von rechts: Herbert Simons, stellvertretend für H. Stärk als Sitzungsleiter (1954 – 1957)

Mehr als ein halbes Jahrhundert Familientradition und aktives Gesellschaftsleben ist also nichts Außergewöhnliches für den ULK. Hier kann nahtlos  mit  weiteren  Beispielen  angeknüpft werden, die auch deutlich machen, dass die Mitgliedschaft im Kleinen Rat der KG ULK in den vertretenen Familien eine Herzensangelegenheit war und ist. So tauchen in der Liste  der Mitglieder des Kleinen Rates Familiennamen seit 1902 bis heute  häufig  mehrfach  auf.  Es handelt sich dabei immer um Väter, Söhne und Brüder, die den Weg zum ULK gefunden haben und die harten  Aufnahmekriterien  (offene  Abstimmung  –  ohne  Gegenstimme)  bestanden haben. Vielleicht ist  dieses  transparente  und  doch  sehr  geschlossene  Aufnahmeverfahren Grund für die Nachhaltigkeit des Erfolgs der KG ULK. Es ist  die Mischung aus Familienbande und neuen Charakteren, die den ULK lebendig halten.

So wurde mit der berühmten „ULK Flotille” eine Tanzgruppe ins Leben gerufen, die leider nur einige Sessionen bestand hatte, in dieser Zeit aber auch in großen Kölner Sitzungen auftrat. Mitglieder der Gruppe waren u.a. die späteren Elferräte Matthias Heilmann, Toni Dürbaum, Hans Abels und Willi Krantz. In adretten Uniformen und eigener Standarte und mit Paddeln bewaffnet, wurde der ULK aus Jülich schmissig repräsentiert.

Im Jahre 1958, der ULK nun in der 56. Session, war die Anzahl der Mitglieder im Kleinen Rat in dieser Session letztmalig auf 11Personen beschränkt. Also der letzte echte Elferrat.

Mit folgenden Aktiven stellte sich die Gesellschaft im Jahresheft vor:

Senatspräsident:
Dr. med. Kurt Berchem

Vorstand und Kleiner Rat:
Vorsitzender und Präsident: Heinz Stärk
Vizepräsident: Hans Schüßler
Literat: Adam Creutz
Geschäftsführer: Heinz Bünten
Schatzmeister: Carl Wolff
Heinz Heidmann, Max Sporbert, Fred Fikentscher, Toni Dürbaum, Theo Delonge, Willi Müller

Der ULK-Elferrat im Jahr 1960

Dr. Kurt Berchem war 1934 Nachfolger von Dr. Heinrich Hertz geworden, der Deutschland aus politischen Gründen verlassen musste und blieb ULK Senatspräsident bis 1967. Der ULK verstand es immer zu feiern. 1958 wird im .Jahresheft „Das Ballereignis Nr. 1 angekündigt. Unter dem Motto .Vom Biedermeier bis zum Rock and Rolr’ wurde zum Karnevalssamstag am 15. Februar eingeladen. Und so setzte sich die Tradition fort, die 50 Jahre vorher begonnen wurde.

Aber auch über die Grenzen von Jülich hinaus machte der ULK von sich reden. Ende Januar 1958 feierten in Bonn die „Sternschnuppen” ihre erste Prunksitzung. Eine Abordnung unter Führung von Präsident Heinz Stärk machte    dem   Präsidenten Kollegen Willi Dederichs ein ganz besonderes Geschenk: ein lebendiges Spanferkel als Glücksschwein. Mit den Worten: “Jülich war einst die Kornkammer des römischen Reiches, ist heute die Stadt der Deutschen Welle und des Atomreaktors aber immer noch mit de Buere verbunden.”

Ende der fünfziger und im laufe der sechziger   Jahre   muss  speziell   der Name„J ohnen” Berücksichtigung finden. Der damalige Landrat und Landtagpräsident Wilhelm Johnen, Notar in Jülich und genannt der „Herzog von Jülich” hatte vier Söhne, wovon drei den roten ULK Frack trugen. Hervorzuheben in dieser Zeit sei Paul Elmar Johnen, (Bild rechts) der im Jahre 1957 in den Elferrat eintrat und die Präsidentschaft von   Heinz  Stärk  im  Jahre  1964 übernahm. „Johnens Paul” verstand es hervorragend, den ULK   mit    seinen   Veranstaltungen   als den

wichtigsten gesellschaftlichen Treffpunkt der Stadt Jülich zu formen. In diesen Zeiten wechselte oft die Lokation der ULK Sitzungen. Wurden diese im Haus Hesselmann und später aus Platzgründen bis 1968 im Viktoriasaal abgehalten, fiel 1969, aus Mangel an einem Veranstaltungsort, die Sitzung aus. 1970 wurde auf ..fremdem” Boden im Saal der Gaststätte Heinen in Kirchberg Sitzung gehalten. In der 69. Session, 1971, konnte der ULK dann erstmals in der von Senator Heinz Weden geplanten neuen Stadthalle tagen. Dieser Veranstaltungsort wurde bis heute beibehalt en , trotz der mittlerweile teilweise widrigen Umstände und Auflagen der Stadt Jülich. Wie lange die Stadthalle noch zur Verfügung steht,ist leider unsicher.

Unter der Regie von Paul Elmar Johnen wuchs der Senat der KG ULK sehr schnell an. Im Jahresheft 1967 taucht erstmals eine Senatorenliste mit 43 Namen auf, vorher wurden ausschließlich die Mitglieder des Senatsausschusses erwähnt. Übrigens war mittlerweile auch der Kleine Rat über die magische Zahl Elf hinausgewachsen. Im gleichen Jahr waren 20 stolze Träger des roten Fracks aufgeführt. Mehr als die Hälfte von Ihnen war damals so  um die 40 Jahre oder jünger. Der Generationswechsel und der Bestand  des  ULKs  konnte über die nächsten Jahrzehnte als garantiert angesehen werden, was sich dann ja auch tatsächlich bewahrheitet hat.

Die weitsichtige “Personalpolitik” von Paul Elmar Johnen und Heinz Stärk. hier wird nun ein offenes Geheimnis und Erfolgsrezept ..verraten”, war es, karnevalsbegeisterte junge aber gestandene Männer für den ULK zu finden. Die späteren  Garanten  für  gestochen  scharfe Reden und Plaudereien über den ULK und die Stadt oder auch die Bundespolitik seien hier namentlich erwähnt: Toni Dürbaum, Berthold Rey und Matthias Heilmann. Drei Namen und Charaktere, die untrennbar mit den letzten mehr als 50 Jahren KG  ULK  in  Verbindung  stehen. Jeder für sich mit einer ganz speziellen Art versehen, hat mit  seinen  Vorträgen  vor allem die Interna der Stadt und der ..ULK Familie” aufs Korn genommen. Sie haben kein Blatt vor den Mund genommen, auf den Putz gehauen und den Karneval als Möglichkeit genutzt, ..des Volkes Stimme” der lokalen Politikerriege nahe zu bringen. Viele alte Zeitungsberichte beschreiben begeistert die feinsinnigen Wortspiele und Provokationen, die so manchem Lokalpolitiker im Narrenspiegel vorgehalten wurden. Nicht zuletzt hat der ULK den Hofnarren in seinem Wappen, der der Obrigkeit durch seine Narrenfreiheit die Meinung sagen darf.

ULK-Motivwagen Hänsel und Gretel

Neben dem Sitzungskarneval hat der ULK sich aber auch immer im Jülicher Kinderkarneval engagiert, dessen Festausschuss in diesem Jahr 2013 sein  5xll  jähriges  Jubiläum  feiert. Der Kinderzug war und ist Möglichkeit, Zugang zum Kleinen Rat zu erlangen. Mit originellen Ideen und handwerklichem Geschick und Fleiß wurde Monate vorher bereits mit dem Wagenbau begonnen. Mit großen Motivwagen in Anlehnung an bekannte Märchenfiguren wurden der Baron Münchhausen, Peterchens Mondfahrt, Hänsel und Gretel, der fliegende Teppich oder auch schon einmal eine Kamellefabrik dargestellt. Eine gute Gelegenheit, der mittlerweile an- und nachwachsenden Kinderschar die Tür in den ULK weit auf zu stoßen. Es waren familiäre Nachmittage im Hotel Kratz, im Anschluss an den Kinderzug am Tulpensonntag. Die Kinder, gestärkt mit einer Flasche Kaiserperle Limonade und einem Würstchen mit Pommes Frites, spielten bis in die Nacht hinein auf der großen Hoteltreppe, die Erwachsenen feierten unter sich im angrenzenden Gastraum. Viele der heutigen Elferratsmitg lieder verbinden ihre ersten echten Erinnerungen an Karneval mit diesen Nachmittagen.

Paul Elmar Johnen trat in der zweiten Hälfte der Präsidentschaft in die Fußstapfen seines Vaters und wurde Notar in Köln. Er konnte damit seiner Rolle als ULK Präsident nicht mehr ausreichend gerecht werden und im Jubiläumsjahr 1972 übernahm Matthias Heilmann das Ruder auf dem Narrenschiff. Im Jahresheft 1972 verabschiedete er sich mit den folgenden Worten. ,,Zu versprechen hoffe ich mich nicht, wenn ich hiermit und im laufe dieser Sitzung von Ihnen allen Abschied nehme. Es kommt mir so vor, also ob ich mit diesen Worten und mit der Vorstellung, wie ich den persönlichen Abschied formulieren soll, plötzlich meine in J ülic h verbrachte Jugend abstreife und erwachsen werde. Erwachsen sein in diesem Sinne bedeutet für mich, einen tatsächlieh vor Jahren vollzogenen Abschied nun öffentlich anzuerkennen. Wir alle treffen ja doch gerne Entscheidungen, besonders die des Abschieds und des Aufhörens, in der Hoffnung oder zumindest der Erwartung, sie widerrufen oder zumindest aufschieben zu können. Ich verhehle nicht, dass mir die Entscheidung, mich von Jülich und dem ULK zu trennen – zwei Dinge, die für mich seit fünfzehn Jahren synonym sind – nicht leicht gefallen ist. Was mich trägt, ist die Hoffnung, der eine oder andere von Ihnen möge sagen, ich sei nicht ganz unnütz gewesen”.

Präsidenten unter sich (v.l.n.r.): M. Hellmann, Ehrenpräsident H. Stärk, Senatspräsident C. Bartoldus und Präsident P. E. Johnen

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