50 JAHRE KG ULK JÜLICH

Dieser erste Teil der Chronik wurde zum 50-jährigen ULK-Jubiläum angefertigt.
Gründungspräsident Mathias Schiffer

Die Jülicher Karnevalsgesellschaft ULK wurde im Jahre 1902 gegründet. 2013, also 111 Jahre später, feiern die Aktiven, Freunde und Gönner nun ein großes karnevalistisches Jubiläum. Grund genug, die Geschichte und die Geschichten des ULK niederzuschreiben. Wir setzen damit eine Tradition fort, die Aus dem alt überlieferten Jülicher Karneval ist neben dem Lazarus Strohmanus auch die Gesellschaft „ULK” nicht fortzudenken, denn seit 50 Jahren hat diese Gesellschaft sich behauptet und im vaterstädtischen Karneval immer eine besondere Rolle gespielt.

Als sich am 11. November 1901 im Restaurant Fikentscher eine Anzahl alter Karnevalisten zusammenfand, war man sich schnell einig, eine Gesellschaft unter dem Namen „ULK” zu gründen. Von den bisher existierenden    Karnevalsgesellschaften überdauerte kaum eine ein oder zwei Jahre und die Mitglieder dieser Gesellschaften wussten nicht recht wohin. So war es auch nicht verwunderlich, dass der „ULK” am 1. Januar 1902 bereits über 200 eingeschriebene Mitglieder verfügte. Präsident wurde der aus Köln stammende Fotograf Mathias Schiffer, der mit einer großen Portion Mutterwitz alsbald den Kleinen Rat  zusammenbrachte.  Vizepräsident wurde Jakob Hilbert, ein bekannter Jülicher Karnevalist.

Das Amt des Protokollführers übernahm der damals noch junge Josef Fikentscher, dem man alsbald den Namen „Wöhles” zulegte. Kassierer wurde der beliebte Liederdichter Willi Heidmann, weitere Mitglieder des kleinen Rats waren Karl Lürken, Heinrich Gießen, Stefan Chenaux, Martin Wolff, Josef Schwieren, Josef Chenaux und Josef Jansen. Später, am 11.11.1902, übernahm Hubert Schütte das Amt des Vizepräsidenten. Schütte und Schiffer, dem man den Namen „die kleine Exzellenz” zusprach, waren mit dem „Wöhles” einige der markantesten Gesellschaftsmitglieder.

Präsident Josef “Wöhles” Fikentscher

Seit dem Jahre 1906 traten dann auch Kölner Kräfte beim „ULK” auf, und diese Mischung zwischen Kölner und Jülicher Karneval bewährte sich bestens und übte jedes Jahr eine starke Zugkraft aus. Diese Form, die Sitzung mit eigenen und fremden Künstlern zu gestalten wurde so bis heute beibehalten. Der ULK legt größten Wert darauf , damit auch jungen Kräften aus den eigenen Reihen und aus Köln, die Chance zu geben frühzeitig auf der Bühne Erfahrung zu sammeln.

Das Jahr 1907 brachte dem „ULK” eine neue Zeitepoche: Der alte Präsident Mathias Schiffer wurde zum Ehrenpräsidenten ernannt. Nachfolger wurde der damals 27 jährige Josef Fikentscher. Fikentscher wurde über eine geschichtliche Epoche mit zwei Weltkriegen, Besatzungszeiten , politischen und wirtschaftlichen Kriterien die treibende Kraft der Karnevalsgesellschaft ULK. Aus diesem Grund zieren das Jahresheft 2013 und das Plakat zur Ausstellung sein Porträt, das sich als Originalfoto  mit seiner Unterschrift  versehen  im Archiv der  KG ULK befindet .

Der „Wöhles” verstand es, die Gesellschaft so trefflich zu führen, dass schon im ersten Jahr seiner Regentschaft die ,,Oecher Penn” sowie die große Köln­ Ehrenfelder  Karnevalsgesellschaft  in Jülich in Gala-Uniform antraten. In späteren Jahren vertieften sich die Beziehungen zu Köln immer mehr und die  Große Kölner Karnevalsgesellschaft unter ihrem Präsidenten Fritz Maas und andere Gesellschaften blieben treue Freunde des „ULK”, so dass die Sitzungen immer glanzvoller wurden.

Als 1911 der letzte Rosenmontagszug in Jülich zog, beteiligte sich der “ULK” mit seiner Jülicher Funken-Artillerie und einem prunkvollen Festwagen. Dann kam die schlimme Zeit des ersten Weltkrieges, und alle Veranstaltungen mussten notgedrungen ernsteren Aufgaben untergeordnet werden. Als aber der „Wöhles” am 11.11.1924 seine Getreuen wieder aufrief, war das Echo allenthalben so stark, dass sich in kurzer Zeit 300 Mitglieder einschreiben ließen. Der damalige Kleine Rat setzte sich zusammen aus den Mitgliedern: Josef Fikentscher, Robert Mewis, Josef Schmitz, Mathias Plum, Josef Fischenich, Bernhard Holzgreve, Peter Bauer, Josef Jansen, Karl Eicker, Hubert Held und Willi Fikentscher.

Geschenk Elferrat 1927 an J. Fikentscher

Äußerst glanzvoll gestaltete sich  das Jubeljahr 1927, in dem zwei Gala­ Damensitzungen und zwei Maskenbälle abgehalten wurden. Nach dem Verbot der damaligen Regierung in Berlin, durfte bis zum Jahre 1924 im Rheinland kein Karneval gefeiert werden, und dieses Verbot traf den allzeit zu Scherz und Frohsinn aufgelegten Rheinländer fast genauso stark, wie die damalige Besatzung, denn das Rheinland sollte danach auf alle Freuden verzichten, während man im unbesetzten Deutschland sich ungehemmt allen Lustbarkeiten hingab. So konnte es auch nicht verwundern, dass die ersten erlaubten Sitzungen im „ULK” sich hauptsächlich politischen Dingen widmeten, daneben aber auch die Lokalgeschichte Jülichs nicht vergaß.

Die bekannten Liederdichter des „ULK”, Max Hermkes, Franz Fuchs, Heinrich Gießen, Hubert Pourrier und andere färbten den Jülicher Karneval mit ihren Versen in satirischer und humorvoller Art, während die bekannten Jülicher Büttenredner Josef Fikentscher, Josef Schmitz, Heinz Wolff, Robert Mewis, Franz Fuchs und andere die Zeitgeschehnisse in humoristische Prosa verfassten und zu Gehör brachten.

So vergingen die Jahre und jedes mal  konnte  der  „ULK”  die  Menge  seiner  Zuhörer  im Viktoriasaal oder Landskrone (der Vikoriasaal fasste damals ca. 500 Besucher, der Saal in der Landskrone ca. 1000 . Verglichen mit der damaligen Einwohnerzahl Jülichs von deutlich unter 10.000 Bürgern ist der gesellschaftliche Stellenwert der KG ULK hervorzuheben) nicht unterbringen. Dann aber setzte der Zweite Weltkrieg dem lustigen Treiben wieder ein Ende, Jülich wurde dem Erdboden gleichgemacht und nur ganz langsam kamen die schwergeprüften Jülicher dazu, sich des einstigen Lebens in Lust und Freiheit zu erinnern, denn von allem früheren Glanz war kein Schatten mehr geblieben. Der Wiederaufbau der zerstörten Stadt ließ keinen Raum für frohe Feste, bis sich dann endlich das närrische Verlangen nach Freude und Entspannung nicht mehr halten ließ. Der Lazarus machte schüchtern wieder den Anfang, das „Rurblümchen” folgte und nun rief der „Wöhles” seine früheren Mannen nach der Rückkehr aus der Evakuierung wieder zusammen. Mit Freude und Begeisterung nahmen sie das Losungswort wieder auf: ,,Der ULK ist wieder da”. Nun soll das Jahr 1952 die Erinnerung bringen an seine Gründung vor 50 Jahren. Noch einmal steuert der alte Karnevalskämpe Josef Fikentscher das Narrenschiff durch die lustige Brandung, getreu dem Wahlspruch: Allen wohl und niemand wehe! Ataaf „ULK” – Alaaf Jülich!

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